Klassik-Test: Firewatch - Gefangen im Fegefeuer - MDE|Gaming

Klassik-Test: Firewatch – Gefangen im Fegefeuer

Klassik-Test: Firewatch – Gefangen im Fegefeuer
Klassik-Test: Firewatch – Gefangen im Fegefeuer
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Das Jahr 1989 wird Henry so schnell nicht vergessen. Er hatte seine ihn nervende Traumfrau, einen Hund, ein Haus und die Kinderplanung war auf den Weg gebracht. Plötzlich erkrankte seine Liebste im Alter von 41 Jahren an Demenz. Er versuchte sie zu pflegen doch mit der Zeit verließ in sein Glaube ihr noch irgendwie helfen zu können. Die Schwiegereltern standen ante portas und nahmen ihre Tochter mit nach Australien. Um diese Schicksalsschläge zu verarbeiten nahm er einen Job in der Wildnis an. Er wurde Brandwächter in einem riesigen Waldgebiet von Wyoming [USA]. Genau dort startet unser Firewatch-Abenteuer.

Einsam auf dem Turm

Henry bezieht also sein neues Domizil, einen Aussichtsturm mitten in der Wildnis. Der einzige Kontakt zur Außenwelt ist Delilah, quasi unsere Chefin. Via Funkgerät, welches wir ständig bei uns tragen, halten die zwei ständig Kontakt. Der erste Tag beginnt direkt mit einem Auftrag. Im Gebiet herrscht höchste Alarmstufe wegen der Trockenheit. Trotzdem sehen wir, entfernt am Horizont, wie diverse Feuerwerkskörper gezündet werden. Klar wie Kloßbrühe das wir uns das sofort ansehen müssen, wir wollen doch nicht bereits am ersten Tag für einen Waldbrand verantwortlich sein.

Als wir am See ankommen entdecken wir zwei betrunkene sowie nackte Teenagerinnen. So wundervoll besoffen wie sie sind werden wir natürlich aufs derbste beschimpft. Auf unserem Heimweg erspähen wir einen fremden Mann der aus dem Nichts auftaucht, uns kurz mit seiner Taschenlampe blendet und sofort wieder verschwindet. An diesem Punkt nimmt das Unheil dann seinen Lauf.

Diese Karte und der Kompass hilft uns die Orientierung zu wahren.

Ein bisschen Psycho

Um im Gebirge voran zu kommen müssen wir Seile festzurren, um uns an ihren herabseilen zu können.

Als eines Tages unser Aussichtsturm verwüstet wurde, nehmen wir an, dass es sich um eine Racheaktion der zwei jungen Frauen handelt. Als wir im Wald dann ihr komplett zerstörtes Zelt entdecken schwant uns böses. Laut ihrem „Abschiedsbrief“ wurde ihnen Unterwäsche geklaut, logischerweise wird Henry von ihnen beschuldigt. Uns ist aber klar dass wir es nicht waren also wer verdammt nochmal treibt sich noch in dieser Wildnis herum.

Ständig halten wir mit Delilah Kontakt. Wir sprechen uns ab was wir als nächsten tun sollen. Eine Beziehung zwischen den beiden entspinnt sich aber können wir ihr überhaupt trauen? Immerhin kennen wir diesen Menschen erst seit gut 24 Stunden und das auch nur via Funkgerät. Als wir herausfinden dass wir abgehört werden nimmt die Paranoia größere Formen an. Vielleicht sind wir ja selbst verrückt geworden? Vielleicht sind wir ebenfalls an Alzheimer erkrankt und bilden und das alles nur ein?

Delilah hat erneut schlechte Nachrichten für uns… und das auch noch genau während der Jausenzeit, als wir gerade diesen schönen Ausblick genießen.

Spätestens als wir niedergeschlagen werden ist es sicher dass wir hier nicht allein im Wald verweilen.

Eine Leiche

Auf unserer Reise durch das Gebirge finden wir immer wieder Vorratskisten. Dadurch erhalten wir mehr Gameplay-Möglichkeiten und tiefere Einblicke in die Hintergrundgeschichte von Firewatch. Beispielsweise können wir uns mit der Axt neue Wege freihacken oder wir verwenden die Taschenlampe in der Dunkelheit sowie in der Höhle.

Währenddessen spitzt sich die Situation immer weiter zu. Das Feuer kann nicht mehr unter Kontrolle gebracht werden. Wir sind eingeschlossen, Delilah hat bereits die Flucht ergriffen aber wir müssen wissen was das Ganze hier soll, wir müssen erfahren wieso man uns abhörte und wieso man uns in der Höhle töten wollte. In eben jener Höhle entdecken wir dann eine Leiche, aus Spoiler-technischen Gründen können wir leider nicht mehr dazu sagen…

Wir entdecken aber noch drei weitere Plätze die das Rätsel auflösen. Ganz befriedigt bleiben wir aber nicht zurück, zu offen, zu vage ist das Ende – es fehlt einfach ein runder Abschluss der Geschichte.

Trailer:

Fazit:

Im aktuell beendeten Steam-Sale habe ich mir Firewatch gegönnt, zu gut waren die Bewertungen und zu heiß der Preis um das Spiel länger ignorieren zu können. Ich las davon dass es ein Meilenstein ist, ein Spiel das absolut außergewöhnlich und grandios sein soll. Das stimmt im Grunde auch aber nur in Teilen oder aber war meine Erwartungshaltung dann Schlussendlich doch zu hoch.

In gut vier bis fünf Stunden ist Firewatch durchgezockt, die ersten zwei Stunden vergingen wie im Flug. Delilah ist absolut faszinierend und konnte Henrys Herz, aber auch meines, im Sturm erobern. Freche Klappe, witzige Dialoge und ein bisschen Mysterie runden das Gesamtbild ab. Die im Mittelteil langen Laufwege haben mich persönlich dann aber doch sehr genervt, das Spiel hätte gut 30 Minuten kürzer sein dürfen aber dafür wäre das Story-Telling straffer gewesen.  Die letzte Stunde weiß dann wieder zu gefallen, bis auf das Ende. Mir persönlich ist es zu offen, zu böse, zu schwammig. Es fühlt sich so an wie eine sehr gute Akte X-Folge die dann scheiße endet, das trifft es für mich wohl am besten.

Versteht mich nicht falsch, Firewatch ist ein tolles Spiel – ich bereue weder den Kauf noch die Spielzeit, ich jammere hier auf höchstem Niveau aber es hätte noch so viel mehr sein können, vielleicht sogar müssen.


Firewatch findet ihr für den PC sowie für die PS4 und XBox One

 

Good

  • Gute Story
  • Vielschichtige Charaktere
  • Witz, Charme und Mord

Bad

  • Teils unnötig lange Laufwege
  • Wenig Gameplay-Mechaniken
  • "Nerviges" Ende
77
Grafik - 80
Sound - 80
Atmosphäre - 80
Steuerung - 75
Umfang - 70