Test: Cyberpunk 2077 – Ein RPG-Meisterwerk mit Bugs

Test: Cyberpunk 2077 – Ein RPG-Meisterwerk mit Bugs
Test: Cyberpunk 2077 – Ein RPG-Meisterwerk mit Bugs
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Cyberpunk 2077 hat viel Lob aber auch Schelte einstecken müssen. Über die Feiertage haben wir jeden Grashalm, jede Quest und jede Endsequenz des RPG-Shooter genossen. Unser Test basiert auf der Version 1.06 – hier wurden bereits viele Probleme weggepatcht.

Was wir in Night City und Umland erlebt haben, was CD Projekt Red im Vergleich zu The Witcher 3 besser gemacht hat, wo liegen die Probleme und vor allem wie sieht es mit dem Spielspaß und der Langzeitmotivation aus? Das und Mehr klärt unser Test.

Unser eigener V

Wie es sich für ein RPG gehört, startet natürlich auch Cyberpunk 2077 mit der Erstellung unseres Charakters. Wir können uns einen weiblichen, männlichen oder ein Mischwerk zusammenzimmern. Geboten werden drei unterschiedliche Charaktere (Nomade, Streetkid und Konzerner) mit jeweils eigener Startgeschichte. Die Geschichten dauern je nach Fraktion 30 Minuten bis hin zu einer Stunde – danach laufen die verschiedenen Handlungsstränge zusammen.

Sexy, Intelligent und tödlich wird unser V.

Unsere Wahl hat außerdem auch Einfluss auf kommende Quests sowie Antwortmöglichkeiten, es zahlt sich also definitiv aus Cyberpunk 2077 mehrmals durchzuspielen. Angefangen vom Geschlecht und den dazugehörenden Merkmalen können wir unseren künftigen Helden, in etlichen Nuancen an unsere Vorlieben hin anpassen. Unsere allseits beliebte Miss Eve feiert nun ihren Auftritt. Wir starten als Streetkid in unser Abenteuer. Nur noch schnell ein paar Charakterpunkte verteilen und schon kann es losgehen.

Liebgewonnene Charaktere

V und Johnny können sich zu Beginn des Abenteuers nicht leiden. Ob das so bleibt liegt in unseren Händen.

Cyberpunk 2077 bietet eine circa 30 Stunden lange Hauptgeschichte, diese wird aber umrandet von etlichen Nebenschauplätzen und genialen Charakteren. Um alles zu sehen, zu entdecken und jede Quest zu erledigen könnt ihr mit circa 60 Spielstunden rechnen – für einen Durchlauf. Dazu gesellen sich die zwei anderen Fraktionen und unterschiedlichen Möglichkeiten während den Quests – es gibt also viel zu tun.

Zu Beginn sind wir mit Jacky unterwegs – unseren besten und in Wahrheit einzigen Freund. Nach dem Prologe lernen wir auch weitere enorm wichtige Charaktere kennen wie Johnny Silverhand unseren stetigen Begleiter, die gigantisch aussehende und liebenswerte Judy, die berüchtigte Panam, die mächtige Rogue (Johnnys Ex) oder Saul (Anführer der Nomaden).

Das Spiel schafft es das wir mit den unterschiedlichen Charakteren mitfiebern. Mal lieben wir die Typen, Mal kommt richtiger Hass in uns auf oder wir sind angefressen, weil die Geschichte nicht nach unseren Wünschen läuft. Absolut fantastisch was uns hier die Autoren auftischen.

Ja gut wir geben es zu, wir sind ein bisschen verknallt in Judy.

Wie es sich für CD Projekt Red gehört sind natürlich auch Sex bzw. Beziehungen ein großes Thema. Mit vielen (wichtigen) Charakteren können wir Sex haben. Die ganze Darstellung wirkt aber nicht billig oder lächerlich, alles fühlt sich stimmig an. Wir können zum Beispiel mit Judy eine ernsthafte Beziehung aufbauen oder uns durch Night City förmlich hindurch „ficken“.

Etliche Eastereggs und Stars:

Wer wohnt in ’ner Ananas ganz tief im Meer?

Das Keanu Reeves den aufmüpfigen Rockstar Johnny Silverhand spielt sollte eigentlich jeder Hinterwälder aus dem letzten Kuhdorf mitbekommen haben. Es gibt aber viele weitere Eastereggs und „Persönlichkeiten“ zu entdecken.

Zum Beispiel finden wir eine Waffe namens „Skippy“ und diese lernen wir recht schnell kennen. Moment, eine Waffe kennenlernen? Absolut, den sie spricht mit uns und zwar mit der Stimme von Spongebob. Unser neuer Meinungsverstärker ist witzig und absolut liebenswert, so wie sein kleines gelbes Ich. Außerdem konnten wir mit dem „magischen“ Paddel eine ungemein starke Nahkampfwaffe finden – die Diablo-Serie lässt schön Grüßen.

Es gibt aber noch so viel mehr zu entdecken wie Deko-Gegenstände für unsere Wohnung, eine streunende Katze die wir aufnehmen können, oder die Delamain-Taxis die an GlaDOS aus Portal erinnern und noch viel, viel mehr.

Die Open World blutet Atmosphäre

Hier sehen wir Johnnys Porsche den wir uns redlich verdient haben.

Die offene Spielwelt von Cyberpunk 2077 sieht fantastisch aus – egal ob mit oder ohne RayTracing. An jeder Ecke gibt es liebevolle Details zu entdecken. Egal ob die Nachrichten im TV bzw. Radio – die auch oft auf unsere Handlungen reagieren – Reklametafeln, Mega-Dildos in Einkaufsstores, verwirrte Prediger oder Yoga-Lehrer die uns zu einer Sitzung einladen.

Überall ist was los, dutzende Menschen zwängen sich durch die Innenstadt, lungern an den Docks herum oder fahren mit ihren unterschiedlichen Autos durch Night City. Zieht es uns hinaus, landen wir in den Badlands beim Nomadenvolk. Eine gigantische, teils leere, Wüste mit Wüstenstürmen, kleinen Nestern inklusive zickigem Sheriff (Rambo) oder einer gigantischen Müllentsorgungsstation. Aber auch ein kleines lauschiges Plätzchen gibt es zu finden, an dem wir mit Judy tauchen und uns besser kennenlernen können.

In den Badlands steuern wir sogar einen Panzer.

Bereist wird die Welt via Schnellreisepunkten oder eigenen bzw. geklauten Autos und Bikes. Unsere Drahtesel können wir uns in unterschiedlichen Quests hart verdienen oder sie plump beim Händler um die Ecke kaufen. Von ganz billigen, optisch an einen 1er Golf von VW erinnernden Kutschen bis hin zur Bonzenlimousine oder richtigen Sportflitzern wird alles angeboten was man sich vorstellen kann. Einzig und allein die Steuerung der Vehikel kann manchmal ziemlich störrisch sein, man gewöhnt sich aber mit der Zeit daran. Unser Favorit: Johnnys Porsche, lässt sich mit Abstand am besten steuern.

Freie Charakterspezialisierung

Hier sehen wir den Ausrüstungsbildschirm.

RPG-typisch dürfen wir unseren Helden frei skillen. Fünf Attribute (Konstitution, Intelligenz, Reflexe, Technische Fähigkeiten und Coolness) stehen zur Auswahl. Grundsätzlich könnt ihr euren Helden steigern wie ihr möchtet. Cyberpunk 2077 bietet für (fast) jede Mission unterschiedliche Herangehensweisen an. Wer sich lieber durch die Spielwelt hackt kommt genauso voran wie der 0815-Rambo. Vernachlässigen solltet ihr aber grundsätzlich nicht eure Konstitution, ein paar zusätzliche Lebenspunkte – vor allem bei härteren Gegnern – sind gerne gesehen.

Hinter den fünf Grundattributen verbergen sich etliche Fähigkeitsbäume die uns weitere Boni gewähren. Damit können wir unseren V perfekt auf unsere Vorlieben hin abstimmen. Ein hackender Ninja-Nahkämpfer wird gewünscht? Kein Problem, bastelt ihn euch einfach.

Unsere Verteidigungswerte werden in erster Linie durch unsere Rüstungsteile bestimmt. Insgesamt können wir sechs Körperregionen damit ausstatten. Weiteren Feinschliff erhalten wir in den Skilltrees bzw. mit den verschiedenen Mods. Optisch gefallen uns die Rüstungen aber kein bisschen (natürlich Geschmackssache), zum Glück befinden wir uns meist in der Ego-Perspektive und müssen die ranzigen Rüstungen nicht erblicken. Die einzelnen Rüstungen und Waffen gibt es in den üblichen Qualitätsstufen (von Weiß bis Orange).

Hier sehen wir den selbstverliebten Rockstar Kerry und die aktuelle „Hyperband“ Us Cracks, die wir auf einem Erinnerungsfoto ablichten.

Meinungsverstärker können wir insgesamt drei mit in den Kampf führen. Je nachdem wie wir geskillt haben sollte auch unsere Waffenwahl ausfallen. Es bringt reichlich wenig, wenn man sich auf Pistolen und Gewehre spezialisiert um dann mit einem Katana in den Nahkampf zu springen.

Der letzte Bosskampf verlangt uns einiges ab.

Cyberpunk 2077 bringt mit den Implantaten eine weitere Zutat für die Charakterspezialisierung. Die kleinen technischen Helfer sind mit die teuersten Gegenstände die man sich kaufen bzw. implantieren lassen kann. Die meisten davon lassen sich aber in der Open World finden oder via Quests verdienen – so reich muss man dann letztlich doch nicht sein.

In insgesamt zehn Slots können wir maximal 23 Implantate via Ripperdoc „einbauen“ lassen. Das fängt an bei Gorillaarmen (Boxerquest), geht über zu Mantisklingen, und endet bei verstärkten Knochen und etlichen weiteren passiven Boni.

Unserer (wahnsinnigen) Freiheit sind quasi keine Grenzen gesetzt. Wir können uns unseren perfekten Helden züchten.

Zufriedenheit am Schluss?

Wie bereits erwähnt zahlt es sich aus Cyberpunk 2077 mehrmals durchzuspielen. Insgesamt bietet der RPG-Shooter fünf unterschiedliche Endsequenzen die sich aber alle in der letzten Hauptquest erspielen lassen. Ihr solltet also genau davor speichern, wenn ihr euch alle Enden ansehen möchtet.

Hier sind wir auf einem Konzert.

Und auch hier kommt die große Stärke von CD Projekt Red zum Vorschein. Der Entwickler spielt mit unserer Erwartungshaltung, wer sich alle Endsequenzen angesehen hat weiß wovon wir reden. Auch hier durchleben wir das komplette menschliche Gefühlsleben von „Was soll der Scheiß ich hasse euch.“ über „Okay, damit kann ich Leben.“ bis hin zu „Mein Gott ist das schön!“.

Nach dem Abspann muss aber nicht Schluss sein. Ihr könnt die Open World wieder betreten und offen gelassene Nebenaufgaben abschließen oder einfach durch Night City schlendern.

Launch-Trailer:

Fazit:

mEssE – alias Chefredakteur und Gründermitglied.

Ich habe mich bewusst dafür entschieden Cyberpunk 2077 erst während den weihnachtlichen Feiertagen zu spielen. Ich wollte mir viel Zeit für dieses RPG nehmen, hat geklappt und meine Güte wurde ich fantastisch unterhalten.

Ich weiß gar nicht genau wo ich anfangen soll. Soll ich die geniale Story loben? Soll ich die „Nebenfiguren“ wohlwollend hervorheben die mir so viele denkwürdige Momente beschert haben? Soll ich das für mich weitaus bessere Loot- und Skillsystem – im Vergleich zu The Witcher 3 – loben? Die lebende Open World? Cyberpunk 2077 ist so viel mehr als seine einzelnen Teile, es ist ein erzählerisches Meisterwerk das mich in seine Welt gesaugt hat. Nun habe ich das Spiel beendet und ich bin traurig, traurig das es vorbei ist, traurig das ich diese fantastische Spielwelt verlassen muss – so etwas ist mir schon jahrelang nicht mehr passiert.

Klar könnte ich nun über die (kleineren) Bugs wie Glitches, Soundaussetzer und den enormen Performancehunger vor allem mit RayTracing (eine GeForce 3090 wird einfach vernichtet als würde die Karte 5€ kosten) lästern aber wozu? Es ändert nichts an diesem Meisterwerk, so kann 2021 gerne weitergehen.


Cyberpunk 2077 findet man auf dem PC, XBox Series X|S und PS5 bspw. via Amazon oder MMOGA

Good

  • Bombastische Grafik
  • Grandiose Geschichte
  • Lieb gewonnene Charaktere (Judy, Panam, Silverhand)
  • Abwechslungsreiche Quests
  • Viele unterschiedliche Lösungswege
  • Crafting, Fähigkeiten, Loot
  • Etliche Nebenbeschäftigungen

Bad

  • Enormer Hardware-Hunger
  • Etliche (kleine) Bugs wie Glitches, Soundaussetzer und Co.
90.8
Grafik - 90
Sound - 90
Atmosphäre - 94
Steuerung - 90
Umfang - 90